Zur Bilderwanderung zwischen New New Hollywood und Chinas Fünfter Generation

Das Weltkino hat im letzten Jahrzehnt einen enormen Wandel durchlaufen. US-amerikanische, EU-europäische und ostasiatische Kinematographien nähern sich nicht nur auf technologischem und ökonomischem Gebiet an. Sie dialogisieren auch über ihr äußeres Erscheinungsbild: Bildschichtungen, vertikale Richtungsvektoren, Einstellungscluster und Flickereffekte führen zu einer Neuer Flächigkeit , starke Farbsättigung, chromatische Intarsien und Grisaille-Effekte entwickeln einen Chromatischen Exzeß . Es entsteht eine hybride Ästhetik unterschiedlichster Kinematographien.

Neben technohistorischen Einflüssen durch computer generated images (CGI) ist dafür – so die These – ein Vorgang globaler Bilderwanderung verantwortlich. Es dringen nicht nur „westliche“ Konstruktions- und Wahrnehmungscodes nach Osten, sondern ostasiatische Bildkulturen diffundieren mit ebensolcher Dynamik in den US/EU-Blockbuster-Komplex. Bildkulturelle Standards aus China, Japan und Korea färben auf den Weltfilm ab.

Das Projekt untersucht diese Verschiebung filmästhetischer Bildkonzepte am Beispiel der Hybridisierung des chinesischen Kinos der Fünften Generation seit den 1980er Jahren mit dem New New Hollywood der 1990er Jahre. Rund zehn Filme aus jeder der beiden Kinematographien dienen als Ausgangsmaterial zu einer Suche nach Spuren eines nachhaltigen Bilderwandels, dessen genaue Formen, Wege und Wirkungen den laufenden Untersuchungen zur Globalisierung der Bilder bisher entgangen sind.

Ergänzt durch Befunde filmökonomischer, repräsentationskritischer und bildtechnologischer Forschung könnten die Analysen einen Beitrag zur Symptomatik der Globalisierung auf dem Gebiet von Bildwissenschaft und Kulturtheorie, Medientechnik und Filmwissenschaft leisten.